Wer schreibt eigentlich dein Leben? Deine Geschichte? Und wer die Geschichte deiner Klienten (falls du Coach oder Therapeut bist)? Passend zum neuen Jahr möchte ich dir eine „Impact“ Coaching-Technik vorstellen, die man für sich oder andere nutzen kann. Dieses einfache Tool hat es wirklich in sich und kann große Inspiration und Motivation auslösen! Erkenntnisfördernde Fragen regen nicht nur dazu an, das bisherige Leben zu reflektieren, sondern das Buch des eigenen Lebens selbst (mit) zu schreiben und eigene kurz- und langfristige Ziele wirklich zu verfolgen – nicht nur kognitiv, sondern vor allem aus dem Herzen.

 

Mitspracherecht

Als Coach und Trainerin begegnen mir immer wieder Menschen, die glauben, dass sie in ihrem eigenen Leben kein Mitspracherecht haben. Das klingt dann z.B. so: „Also mein Chef ist unmöglich!!! Wie soll ich mich denn bei diesem Workload abends oder am Wochenende entspannen können? Das geht echt gar nicht!“ oder „Urlaub? Ich würde super gerne Urlaub machen, aber ich habe ja keinen Partner!“ Oder jemand erzählt, dass er weder glücklich noch genauso sein kann wie er möchte, weil die Eltern es auch schon nicht waren.

 

Dein Einflussbereich

Viele Menschen kommen ins Coaching, weil sie sich verändern wollen. Anna, deren Name geändert wurde und die sich darüber freut, dass ihre Geschichte zur Inspiration herangezogen wird, wurde von ihrer Freundin ins Coaching geschickt, weil sie alleine nicht auf die Idee gekommen wäre, selbst etwas an ihrem Leben verändern zu können.

Seit Monaten war sie deprimiert und verließ ihre Wohnung abends kaum noch. Im Vorgespräch erzählte sie mir: „Früher habe ich meine privaten Ideen und Wünsche zumindest verfolgt, aber in den letzten Jahren versuche ich es kaum noch. Reisen, Abenteuer und Co. sind eher was für die anderen – ich bin halt mehr so die Ruhige! Ich habe ja jetzt schon länger meinen eigenen Laden und gute Routinen entwickelt. Beruflich und privat ist eigentlich alles gut eingespielt.“

Damit bezog sie sich mitunter auch auf ihre 10-jährige Beziehung, von der sie sich innerlich schon lange distanziert hatte. Es gab kaum gemeinsame Hobbys und sie verurteile sich dafür, für ihren Partner nicht dankbarer zu sein, mit dem sie „abends bei einer Serie und guten Snacks gemeinsam auf der Couch entspannen“ konnte.

Ich erzählte Anna, dass wir Menschen – wie die Pflanzen in der Natur – ebenfalls Umwelteinflüssen ausgesetzt sind, die wir nicht so leicht kontrollieren können, z.B. das schlechte Wetter am Geburtstag, den Baulärm der Nachbarn, wenn man lernen möchte, die unglückliche Politik anderer Länder, den Ausbruch einer Pandemie usw.

Es gibt aber auch sehr viele Dinge und Themen, die wir beeinflussen können, z.B. wie gesund man sich ernährt, wie viel Sport man treibt, in welcher Stadt man wohnt und auch wie man mit den Dingen umgeht, die man nicht kontrollieren kann und mit welchen Menschen und wie man seine Freizeit verbringt!

Im Laufe unserer Coachings realisierte Anna, dass sie viele Dinge ihres Lebens fälschlicherweise dem Bereich zuordnete, den sie dachte, nicht beeinflussen zu können.

 

Das Buch des Lebens

Anna freute sich auf diese Übung. Sie wollte sich mehr mit ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft verbunden fühlen und endlich mehr Klarheit darüber haben, was ihr in ihrem Leben wirklich wichtig ist. Ihr Leben endlich selbst mitzugestalten, anstatt es unzufrieden hinzunehmen, wie es war.

Das „Buch des Lebens“ ist von Danie Beaulieu inspiriert (eine kanadische Psychologin, die für Impact-Techniken und EMI bekannt ist). Impact-Techniken wurden schon von Milton H. Erickson genutzt. Über das Einbeziehen von Metaphern, Bildern, Geräuschen, Bewegungen, Gegenständen usw. wird die eigne Erkenntnis gefördert und die gewünschte Veränderung über so viele Sinne wie möglich zugänglich gemacht. Das fördert das bessere Verstehen von Zusammenhängen oder den Wechsel in eine ganz andere Perspektive.

Wichtig für die Impact-Technik „Buch des Lebens“ ist vor allem, die Fragen aus dem Bauch heraus zu beantworten. Wenn wir aus dem Verstand heraus Veränderungsprozesse einleiten wollen, nutzen wir nur einen Bruchteil der Kapazität unseres Gehirns und bräuchten sehr lange für ein wirklich umfassendes Bild.

Wenn du diese Übung für dich machst, empfehle ich dir ein Notizbuch in digitaler oder analoger Form bereitzuhalten (ggfs. kannst du auch einfach ein Audio aufnehmen). Außerdem brauchst du ein tatsächliches Buch aus deinem Bücherregal, das vor allem kinästhetisch (und nicht inhaltlich) für „dein Leben“ steht – also nimm dir für die Auswahl etwas Zeit. Wenn dein gesamtes Leben in einem Buch stünde, welches Buch wäre es am ehesten? Ein dickes, schweres oder ein kleines, leichtes, dünnes? Oder ein buntes Magazin? Sind die Blätter eher dünn oder dick? Gibt es große oder kleine Schriftzeichen? Welches der Bücher aus deinem Bücherregal entspricht am ehesten einem Buch, das dein Leben in sich trägt? Der Inhalt des Buches ist für die kommende Übung nicht relevant, nur die Haptik.

 

Dein Lebensbuch fühlen

Zurück zu Anna. Sie sucht sich ein schweres, braunes, glattes Lederbuch aus, nimmt es in ihre Hände und blendet den ursprünglichen Titel aus. „Schließ gerne die Augen und fühle das Buch… Nimm die Größe, die Dicke, das Gewicht und die Seiten wahr… Wenn du dir vorstellst, das hier wäre das Buch deines Lebens und es wäre – mit all seinen Herausforderungen – so gut verlaufen, wie du es dir wünschen würdest… Wie wäre der Titel deines Lebens, wenn du ihn dir aussuchen könntest? Und gibt es auch einen Untertitel?“

 

Annas Lebensbuch

„Wow, mein Buch ist echt schwer! Ich glaube, meine Kindheit macht wirklich sehr viel vom Gewicht aus!“ Anna wirkt nachdenklich und sagt dann: „Ich würde es ‚Ein Leben aus dem Hintergrund‘ nennen…, aber du meintest ja, wenn es so wäre wie ich es haben will? Hmm… Dann hieße es wohl anders. Vielleicht ‚Die Abenteuer der Anna T.‘ und als Untertitel ‚Was langsam währt, wird richtig gut‘!“

Anna beginnt sich zu freuen und ihre Augen zu leuchten. „Wer hat das Buch geschrieben?“, frage ich und: „Wer ist der Autor? Manchmal gibt’s viele Autoren. Manchmal wird das Buch von Gott oder dem Universum geschrieben. Manche Menschen sagen, die erste Lebensjahre wurden hauptsächlich von den Eltern geschrieben. Wie ist das bei dir?“
„Das ist eine gute Frage… Ich weiß nämlich gar nicht, wie viel ich davon selbst geschrieben habe. In meiner Jugend habe ich mich viel vom Umfeld treiben lassen und in meiner Beziehung lasse ich das meiste meinen Partner oder das Leben schreiben. Aber als ich vor einigen Jahren meine Selbständigkeit begonnen habe, war das definitiv eine bewusste Entscheidung! Und auch die nächsten Jahre möchte ich wesentlich mehr selbst schreiben, auch wenn das Leben ein Mitschreiberecht hat!“ An dieser Stelle kann man Anna die Lust ansehen, mehr Selbstbestimmung in ihr Leben zu bringen.

 

Lebenskapitel

„Anna, als Nächstes fühle dich bitte in alle Seiten des Buches ein und schlage intuitiv die Stelle des Buches auf, an der du dich gerade befindest. In welchem Kapitel bist du heute? Fühl mal… Wie fühlt es sich an, jetzt in diesem Kapitel zu sein? Es ist wichtig, all dies zu fühlen, nicht nur zu denken.“ Anna schließt ihre Augen und schlägt etwa die Mitte des Buches auf. „Und wenn du jetzt mal auf die vergangenen Kapitel schaust und dich in sie hineinfühlst, wie war der erste Teil des Buches? Was war die Botschaft/Erkenntnis des letzten Kapitels?“

„Das fühlt sich total abgefahren an, sich so in der Mitte des Lebens zu befinden. Irgendwie habe ich das Gefühl, es gibt um die 10 Kapitel und ich bin gerade mittendrin!“ Anna blättert nun weiter nach vorne. „Die ersten drei Kapitel sind in Nebel gehüllt und ich kann die Schrift kaum lesen. Das macht mich traurig und verloren. Ab dem vierten Kapitel lichten sich die Nebel und es finden sich mehr und mehr Geschichten über Freundschaften, Stärken, Interessen und mein Selbstbewusstsein. Die Botschaft des 4. Kapitels ist wahrscheinlich so etwas wie… Stille Wasser sind wirklich tief und es war wichtig, mich auf die Suche nach meinem Platz in der Welt zu machen. Meine Beziehung hat mir Halt und Wärme gegeben. Außerdem habe ich damals einige meiner Potenziale entdeckt!“ Annas Körpersprache zeigte Freude und Stolz und sie ergänzte: „Und ich habe gelernt, dass Freunde nicht auf Bäumen wachsen. Es ist wichtig, Menschen um sich zu haben, denen ich wichtig bin.“

Dadurch, dass sich die Fragen auf die Botschaften und Lernerfahrungen der Kapitel beziehen, sucht Annas Gehirn nicht nach dem, was schiefgelaufen ist, sondern nach Erfahrungen, die ihr für den weiteren Verlauf der Übung und somit für die Gestaltung ihrer Zukunft nutzen.

 

Die Gegenwart

„Und wie verhält es sich mit dem aktuellen Kapitel, Anna? Wie geht es weiter in diesem Kapitel?“ Anna blättert, ohne die Augen zu öffnen, wieder zur Mitte des Buches. „Tatsächlich komme ich gerade schon am Ende des 5. Kapitels an, in dem ich meine Selbständigkeit gut zum Laufen gebracht habe. Es gab Höhen und Tiefen, die mich stark gemacht haben!“ Anna wirkt wieder selbstbewusst, doch ändert plötzlich ihren Gesichtsausdruck. „Ich weiß, warum das Kapitel hier zu Ende geht. Seit Monaten spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, meinen Partner gehen zu lassen, aber ich will es nicht wahrhaben!“ Annas Augen füllen sich mit Tränen. „Ich weiß nicht, wie lange ich noch brauche, um dieses Kapitel abzuschließen, aber ich möchte meine Lebensenergie außerhalb der Arbeit nicht mehr meiner Couch schenken! Außerdem bin ich selbständig! Ich könnte so viele Dinge erleben…“

Schlüsselmomente, wie dieser, können bei der Arbeit mit dem Buch des Lebens auch an ganz anderen Stellen auftreten. Anna stellt sich dem Thema, das sie lange weggeschoben hat.

 

Ganz weit in der Zukunft

„Nimm dir alle Zeit, die du brauchst und nimm jetzt mal wahr, wie viel Buch noch vor dir liegt. Ich möchte dich bitten, zu einer der letzten Seiten zu blättern. Wie fühlt sich das hier an? Das Buch gibt es ja schon und auch das letzte Kapitel hat einen Titel. Wie heißt es? Wer hat diese Seite geschrieben?“

Anna sieht sich selbst als alte, zufriedene Frau vor dem Kamin sitzen. „Das Kapitel heißt Schaukelstuhl.“ Sie lacht. „Ich hatte eigentlich nicht vor, in diesem Leben Mutter zu werden, aber ich sehe Menschen an meiner Seite und Kinder. Woher sie kommen, weiß ich nicht. Aber ich bin umgeben von Menschen, die mich lieben und das allerschönste ist diese tiefe innere Zufriedenheit. Zu wissen, dass es schön war auf dieser Erde. Dass ich so viel davon gesehen und erlebt habe. Dass ich geben durfte und dass ich gereist bin!“ Anna nimmt einen tiefen Atemzug und ihr ist anzusehen, dass ihr gerade wichtige Erkenntnisse bewusstwerden. „Die Reisen waren das allerschönste! Mein Haus ist nicht nur voller lieber Menschen, alter und junger – überall stehen Bilder und Leinwände mit Erinnerungen von meinen Reisen. Ich war in Neuseeland, Island, auf den Seychellen, in buddhistischen Klöstern, Paragleiten auf den schönsten Bergen und es gab wichtige Freunde auf dem Weg.“ Annas Stimme wird hell und weich, sie wirkt sehr glücklich. Plötzlich sieht sie mich an und sagt belustigt: „In einer Ecke des Raumes sehe ich auch meine Ordner vom NLP Zentrum, wie cool!!“

Ich bitte Anna nun, von einer dieser letzten Seite aus zurückzublicken. „Wie fühlt es sich an, diese Version deines Lebensbuches in der Hand zu halten?“ Anna ist sichtlich gerührt von ihren inneren Bildern im Alter: „Was ich fühle, ist so ein ganz tiefes Vertrauen in den Weg und darin, dass die Kapitel 6-10 auch absoluten Sinn machen. Ich weiß ja jetzt, wohin sie führen und freue mich. Oh Mann, ich werde reisen!! Wie cool ist das! Ich werde viel mehr auskosten, was dieses Leben zu bieten hat und am Ende werde ich sehr reich von dieser Erde gehen. Sehr, sehr reich im Herzen.“

In Annas Fall ist es gelungen, dass sie trotz ihrer schwierigen Lebenssituation, sich eine schöne Zukunft vorstellen konnte. Sollte das Ende des Buches sich dir oder deinen Klienten negativ darstellen oder schlecht anfühlen, kannst du das als starken Motor dafür nutzen, und dir vom Ende einen Rat geben, wie du das Buch ab der Gegenwart bewusst so schreibst, wie es am schönsten ist und auch zu einer guten letzten Seite führen würde.

 

Die Zukunft selber schreiben

„Und wenn du mit all dem Wissen wieder die gegenwärtige Seite aufschlägst, was bereitest du von hier aus vor? Wann auch immer das nächste Kapitel losgeht, wovon wird es handeln? Was wirst du in den nächsten Kapiteln mehr machen als bisher? Und was weniger?“ Anna hat auch auf diese Fragen sehr tiefgründige Antworten und wenn sie manche Fragen nicht beantworten kann, sagt sie: „Ich vertraue darauf, dass mich die Antworten finden werden.“
Wir sprechen darüber, wovon die nächsten Kapitel handeln werden und Anna schließt die Übung mit einem starken Gefühl von Vertrauen und Selbstwirksamkeit ab.

 

Handlungsziele ableiten

Damit Anna möglichst viel aus dieser Übung in den Alltag bringen kann, erarbeiten wir noch 3 konkrete nächste Schritte für sie. Diese will sie in den nächsten Wochen umsetzen. Dazu nutze ich folgende Frage: „Woran würdest du erkennen, dass du ab sofort mehr Vertrauen und Selbstwirksamkeit in deinem Leben hast?

„Wenn ich mal wieder nicht an mich glaube, würde ich daran denken, was noch alles Gutes vor mir liegt und wie mein Leben enden wird.“ „Und wie genau könntest du dich dabei unterstützen, dich daran erinnern?

„Ich möchte mir ein Vision Board erstellen! So kann ich mir die Reisebilder aus meiner Vision ins Wohnzimmer hängen. Das kann ich mir dann ansehen!“

„Und wann genau könntest du dieses Vision Board erstellen?“

„Ich kann heute Abend meine beste Freundin anrufen und mit ihr einen Kreativnachmittag ausmachen. Gemeinsam macht das viel mehr Spaß. Und ich könnte das Board heute Abend noch online bestellen, gemeinsam mit ein paar Happinez Magazinen.“

Anna wirkt sehr glücklich und zuversichtlich am Ende ihres Prozesses und weiß nun auch, dass es okay sein wird, die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten zu beenden, weil sie weiß, was noch vor ihr liegt… Und ich meine mich zu erinnern, dass da auch eine gute Freundschaft zu ihrem Partner und eine neue Beziehung in den nächsten Kapiteln vorkamen.

 

Hinweise

Wenn du jemanden oder dich selbst durch den Prozess führst, achte darauf, das Buch, die Kapitel, die Erkenntnisse und Veränderungen zu fühlen. Wir wollen Antworten aus der Weisheit des Unterbewusstseins, nicht aus dem Verstand generieren.

Der Titel des Buches kann übrigens am Ende nochmal verändert werden, sowie die Kapitel des Buches Namen bekommen können.

Du kannst dir zu allen Kapiteln weitere erkenntnisfördernde Fragen ausdenken. Letztlich geht es darum, aus dem persönlichen Erfahrungsschatz all das abzuleiten, was man in der Zukunft weiterhin oder stattdessen leben möchte und immer wieder einzuladen, sein Buch selbst (mit) zu schreiben.

Du hast ein Mitspracherecht!
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